Ab welchem Alter empfiehlt es sich, eine neue Sprache zu lernen, um sie möglichst akzentfrei zu beherrschen? Studien zeigen, dass die musikalischen Elemente, die Intonation und Aussprache unserer ersten dominanten Sprache auch die Aussprache jeglicher späterer erlernten Sprachen bestimmen. Dieser Einfluss nimmt nach der Kindheit progressiv zu. Wenn auch die Forschung kein kritisches Alter feststellen kann, so nimmt der Aufwand, den “korrekten” Akzent zu treffen, mit fortschreitendem Alter stetig zu.
Aber Alter ist nur einer von vielen Faktoren, der Erfolg im Lernen einer neuen Sprache beeinflusst. Auch relevant sind die Ähnlichkeiten von Klängen, Intonation und Rhythmus zwischen den schon beherrschten Sprachen und der neuen Sprache. Weiterhin spielt es eine Rolle, ob die dominante Sprache eine größere Klangamplitude hat, einen komplizierteren oder einfacheren Rhythmus, als die Fremdsprache.
Für den Sprachenlernenden ist es natürlich vorteilhaft, wenn er oder sie auf einen eigenen komplexen Sprachrhythmus und Klangspektrum zurückgreifen kann. Auch sind ein sehr gutes Gehör und die Fähigkeit zur Imitation sehr förderlich zum Erwerb einer guten Aussprache. Tendenziell neigen mehrsprachige Menschen dazu, die richtige Aussprache von weiteren Sprachen gut zu erlernen, da sie über ein breiteres Band an Klangspeicher verfügen, als einsprachige Menschen.
Wie bei jeglicher neu zu erlernenden Fähigkeit gilt auch hier das Sprichwort „Übung macht den Meister”. Oft vertrauen Eltern darauf, dass die einwandfreie Aussprache ihres Kindes in jungen Jahren für den Rest ihres Lebens beibehalten wird – selbst wenn sie die Sprache nicht mehr geläufig nutzen. Doch Vorsicht, denn auch ein Akzent kann verlernt werden! Allerdings kann eine Person, die eine Sprache im Erwachsenenalter wieder erlernen möchte, tendenziell viel besser die korrekte Aussprache treffen, als Altersgenossen, die in ihrer Kindheit keinen Kontakt zu dieser Sprache hatten.
Dabei ist die Auswirkung von der Umgebung auf Akzententwicklung nicht zu unterschätzen. Häufig passiert das folgende Phänomen: Sobald Menschen davon erfahren, dass jemand mehrere Sprachen spricht, hören sie plötzlich einen Akzent heraus (oder stärker heraus), als sie es vor dem Erlernen dieser neuen Information getan haben.
Unterschiedliche Akzente können in verschiedenen Umkreisen unterschiedliche Reaktionen auslösen. In einer vorurteilsbehafteten Gesellschaft können einige Akzente als positiv, andere dafür als negativ eingestuft werden. Auch kann die Gefühlslage des Sprechers den Grad des Akzents beeinflussen – beispielsweise kann der Akzent in einer stressigen Situation stärker ausgeprägt sein als in einer entspannten Lage, wenn der Sprecher sich auf seine Aussprache konzentrieren kann.
Es ist wichtig, dass auf starke Akzente niemals negativ reagiert wird, da dies die Motivation des Sprechers stark beeinträchtigt und den Lernprozess hindert. Stattdessen sollten wir den Sprecher ermutigen, weiterzureden und (wenn erwünscht) praktische Ratschläge geben. Neben einem Sprachlehrer ist es auch hilfreich, einen Sprachtherapeuten zu Rate zu ziehen.
Unsere Aussprache verbessern zu wollen ist nicht verkehrt – doch wir sollten nicht vergessen, dass dies von vielen Faktoren abhängt, und die nicht alle vom Sprecher kontrolliert werden können.






