Als ich meine Bildungs-Webinare für Erziehung mehrsprachiger Kinder begann, glaubte ich, mein Zielpublikum zu kennen: Eltern, die wie ich einsprachig aufgewachsen waren und Unterstützung in der Erziehung ihrer mehrsprachigen Kinder benötigten. Und doch sind zweisprachige Eltern in meinen Bildungsgruppen keine Seltenheit! Bei meiner ersten Beratung mit genau so einer Mutter fragte mich diese nach Rat, wie sie die dreisprachige Entwicklung ihres Sohnes am Besten fördern könnte. Die Anzahl an Sprachen machte ihr Sorgen – sie fürchtete, ihr Kind damit zu überfordern. Um ihr die Angst zu nehmen, fing ich also an, ihr eine Liste an Argumenten zu nennen, die mir für ihren spezifischen Fall relevant erschienen. Unerwartet unterbrach sie mich aber bald mit einem: “Ja, das weiß ich bereits, denn ich bin selbst zweisprachig.” Ich war überrascht – wie konnte eine Person, die erfolgreich zweisprachig aufgewachsen war, besorgt sein, dass ihr Kind mit drei Sprachen Schwierigkeiten haben könnte?
Seitdem habe ich mit vielen solchen Fällen gearbeitet und meine, die Hintergründe und Nuancen ihrer Bedenken zu verstehen. Die Zweifel zwei- oder mehrsprachiger Eltern beruhen oft weniger auf der Anzahl der Sprachen ihrer Kinder – selbst wenn sie ihre Fragen so formulieren – sondern sind eher auf die eigene Beziehung mit dem Prozess des Spracherwerbs zurückzuführen.
Eltern, die aufgrund ihrer persönlichen Lernmethode auf eine bestimmte Methode des Sprachenlernens schwören, könnten von der sich von ihnen unterscheidenden Lernstrategie und Meilensteine ihrer Kinder verunsichert sein. Beispielsweise wenn die Kinder einem anderen Bildungssystem unterstellt sind, als das ihrer Eltern. Oder wenn die Familiendynamik sich von der Familiendynamik aus ihrer Kindheit unterscheidet. Eine meiner Klientinnen, zum Beispiel, schrieb ihren eigenen Erfolg, zweisprachig aufgewachsen zu sein, einzig darauf zu, dass ihre Mutter Hausfrau war und ihr viel Zeit schenken konnte. Sie selbst als arbeitstätige Mutter, könnte diese Zeit jedoch nicht aufgeben, und so war in ihren Augen das Potenzial des Kindes, mehrsprachig aufzuwachsen, deutlich gesunken.
Ein weitere übliche Hürde liegt in den negativen Erfahrungen, die die Eltern aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit machen mussten, wodurch sie die selbstbewusste Sprachentwicklung ihrer Kinder ungewollt behindern. Vielleicht wurden sie im Laufe ihres Lebens für ihre Muttersprache belästigt, oder haben trotz ihrer bilingualen Herkunft eine oder beide Sprachen nicht ausreichend erlernt. Unabhängig vom Grund ist es in solche Fällen besonders wichtig, die negativen Gefühle im Bezug zum Sprechen mehrerer Sprachen zu verarbeiten und abzulegen, sonst besteht die Gefahr, diese lernhindernde Einstellung an die eigenen Kinder zu vererben.
In meinen Gruppen-Webinaren erleben wir oft kathartische Momente, wenn sich Teilnehmende plötzlich ihrer eigenen Verhaltensweisen bewusst werden. Häufig kommt die Erkenntnis, dass es sich hierbei um das Ergebnis einer (oder einer Reihe von) traumatische(n) Erfahrungen handelt. Letztlich suchen mich mehrsprachige Eltern häufig aus folgendem Grund auf: Sie haben umfangreiche Erfahrungen mit dem Vergessen ihrer (Kindheits-) Sprachen.
Vergessen wir nicht, dass es nicht einen einzigen richtigen Weg gibt, Kinder mehrsprachig großzuziehen. Glücklicherweise gibt es viele Faktoren, die hinter einem erfolgreichen Sprachlernprozess stehen. Keine “one-size-fits-all” – Lösung, sondern individuelle Ansätze, die auf die Persönlichkeiten, Bedürfnisse und Hintergründe unserer Kinder geschneidert sind. In meinen Webinaren biete ich die Möglichkeit, diese vielseitigen Erfahrungen und Lösungsansätze mit der Gruppe zu teilen und zusammen auszuarbeiten.
Innerhalb von vier Wochen werden Teilnehmer durch gemeinsame Diskussionen über die Faktoren des Spracherwerbs, die Prinzipien der Sprache und (un-)realistische Erwartungen in der Gewissheit bestärkt, dass viele zum Erfolg führen.






