Wussten Sie, dass ein Kind bis zu fünfmal mehr versteht, als es sagen kann? Forscher haben dies bei Kindern im Alter von 18 Monaten nachgewiesen und gezeigt, dass jene Kinder, deren aktiv gesprochener Wortschatz rund 50 Wörter umfasste, ein Verständnis von bis zu 250 Ausdrücken aufwiesen.
Natürlich haben Eltern, die neben ihrer Muttersprache auch weitere Sprachen beherrschen, aus erster Hand erfahren, dass es einen großen Unterschied zwischen aktivem und passivem Wortschatz in ihrer zweiten Sprache gibt.
Zurück zu unserem Kind: Warum ist es wichtig, diesen signifikanten Unterschied zwischen dem, was sie sagen können, und dem, was sie verstehen, zu betonen? Um unser Kind bei der Entwicklung ihrer Sprache(n) zu unterstützen, müssen wir mit ihm einen Wortschatz verwenden, der leicht über seinem aktuellen Niveau liegt. Dabei ist es hilfreich, das tatsächliche Sprachniveau unseres Kindes akkurat zu beurteilen.
In meinen Workshops erfrage von ich meine*n Teilnehmer*innen gleich zu Beginn, wie sie persönlich das Verhältnis von aktivem und passivem Wortschatz im Kindesalter einschätzen. Diejenigen, die mit dieser Statistik nicht vertraut sind, haben nur einen Weg, die Frage zu beantworten – und zwar indem sie dem Wissen ihrer Kinder vertrauen.
Hat Sie die Antwort auf diese Frage überrascht? Dann ist es womöglich an der Zeit, Ihre Kommunikationsstrategien mit Ihrem Kind zu überdenken. Gespräche mit Ihrem Kind sind kostbare Möglichkeiten, ihm beim Lernen der Sprache (oder Sprachen!) zu unterstützen – trauen Sie Ihrem Kind ruhig mehr zu, nutzen Sie “schwierigere” Sprache, nutzen Sie mehr Sprachen! Unterschätzen wir nicht die Fähigkeiten eines kindlichen Gehirns, das schneller lernt, als wir manchmal zu denken wagen.
Dabei ist das Konzept vom gleichzeitigen Erlernen mehrerer Sprachen im Babyalter gar kein neues: neulich erzählte mir eine Mutter von ihrem Versuch, ihrem Kind Gebärdensprache beizubringen, da die Tochter, welche kurz vor ihrem ersten Geburtstag stand, geschickt gestikulierte. Die Gebärdensprache als erste Kommunikationsschiene zwischen Eltern und Kindern bringt in der Tat viele Vorteile mit sich: Babys können früher auf einer konzeptionellen Ebene kommunizieren und sich mittels Handgesten ausdrücken – eine Fähigkeit, die sie vor ihrer verbalen Phase entwickeln können.
Aber vergessen wir nicht, dass dies auch nur eine Phase des Spracherwerbs ist, wenn ein Kind versucht, sich durch Gestikulation zu verständigen. Sollte ein Kind dieses Niveau erreicht haben, ist dies der Vorläufer von der Entstehung verbaler Sprache. Ein Kind in seiner non-verbalen Ausdrucksweise zu stärken ergibt Sinn, da wir schneller mitbekommen, wie weit fortgeschritten sein Verständnis ist. Dies ist auch der ideale Moment, um ihn verbal zu unterstützen, d.h. aktiv mit ihm zu sprechen und zu vertrauen, dass das Kind es versteht.
Eine ungarische Mutter erzählte mir, dass sie bei bestimmten Gesprächsthemen mit ihrem jungen Sohn die Sprache wechsle: Wenn sie ihm sage, sie müsse nun arbeiten gehen, um Geld zu verdienen, täte sie das ausschließlich auf Englisch. Das abstrakte Konzept des Geldes, so die Mutter, könne das Kind auf Ungarisch noch nicht fassen. Aber stimmt das überhaupt? Kinder, die mit einem Begriff in einer ihrer Sprachen vertraut sind, müssen nur noch das entsprechende Vokabular auf der anderen Sprache erlernen. Das ist für sie einfach. Und im Fall des eben besprochenen Kindes war dies tatsächlich die Lösung.
Jeder hat seine eigenen Vorstellungen über das Sprachenlernen mehrsprachiger Kinder, die der Realität häufig widersprechen. Je früher Sie dies erkennen, desto effizienter können Sie Ihrem Kind in seiner Entwicklung helfen. Falls Sie sich diesbezüglich professionelle Unterstützung wünschen, stehe ich Ihnen im Rahmen einer ersten kostenlosen 20-minütigen Beratung zur Verfügung. Kontaktieren Sie mich gerne auf der folgenden E-Mail Adresse: zitamate@raisingmultilingual.com






